Gesamtangebot

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Der Begriff Gesamtangebot umfasst das aggregierte Angebot und zeigt die Menge von Dienstleistungen und Gütern auf, die Anbieter in einer bestimmten Zeitspanne und in einer bestimmten gesamtwirtschaftlichen Situation produzieren. Dabei wird diese Konstellation durch Kosten- und Preissituation sowie Produktionskapazitäten geprägt. Zusammenfassend zeigt das Gesamtangebot auf, wie sich Änderungen der Produktion auf das Preisniveau auswirken. Wichtig ist dabei die Anpassung von Preisen und Löhnen im Zeitverlauf. Die aggregierte Angebotsfunktion stellt den Angebotsteil des AS-AD–Modell dar. Je nach zugrunde liegender Wirtschaftstheorie, sind unterschiedliche Ausprägungen möglich.[1]


Allgemeine Einflussfaktoren

Das aggregierte Angebot hängt von den unabhängigen Einflussgrößen Arbeits- und Kapitaleinsatz sowie den vorhanden Bodenschätzen und Produktionstechnologien ab. Durch das Zusammenwirken von Gesamtnachfrage und –angebot, werden das volkswirtschaftliche Produktionsvolumen, die Beschäftigung und das Preisniveau beeinflusst. Das heißt Bruttoinlandsprodukt (BIP), Arbeitslosigkeit und Inflation sind von dieser Interaktion betroffen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Anbieter den maximalen, also potentiell möglichen, Output herstellen wollen. Es sind aber auch gegenteilige Fälle möglich, in denen die Produktionskapazität bewusst nicht voll ausgenutzt wird. Gründe dafür können darin liegen, dass Produktionskosten als zu hoch, bzw. die zu erzielenden Erträge als zu gering erachtet werden. Eine Folge davon ist eine Nichtauslastung eines vorhandenen Produktionsfaktor. Des Weiteren ist folgende Situation möglich. Unternehmen möchten mehr produzieren, als es vorhandene Produktionsfaktoren erlauben. Aufgrund von niedrigen Produktionskosten oder sehr hoch zu erwartenden Güterpreisen tritt diese Situation ein. Wenn das Ziel einer Produktionssteigerung durch die beschränkten Kapazitäten nicht erreichbar ist, muss in dieser Volkswirtschaft eine Anhebung des Preisniveaus erfolgen. Folgend wird das Gesamtangebot durch die Beziehung von Preisniveau und gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten betrachtet. Somit werden Kostensituation und Auslastung der Kapazitäten als gegeben vorausgesetzt. Darauf aufbauend wird der Verlauf der Gesamtangebotskurve im Preis-Mengen Diagramm untersucht. Daraus können Einflüsse auf das BIP, Preisniveau und die Beschäftigung abgeleitet werden.[2]


Zusammensetzung der Gesamtangebotsfunktion

Die Angebotskurve für den gesamten Markt eines bestimmten homogenen Gutes setzt sich aus den Angebotsfunktionen aller Produzenten zusammen. Die hierfür nötige Aggregation erfolgt in der Weise, dass für jeden Preis die jeweils angebotene Menge addiert wird. Es wird von einer horizontalen Aggregation gesprochen, da diese im Diagramm über die horizontale Mengenachse ausgeführt wird. Die Gesamtangebotsfunktion im makroökonomischen Sinn ergibt sich aus folgenden Einflussgrößen. Sie zeigt die Preisniveauänderung, die durch die Änderungen der Produktion verursacht wird. Elementar ist dabei die temporäre Anpassung von Löhnen und Preisen. Der Nominallohn hängt von folgenden Faktoren ab: Arbeitslosenquote, erwartetem Preisniveau sowie anderen Faktoren, die Einfluss auf die Lohnsetzungs-Funktion haben. Das Preisniveau ergibt sich aus dem Preissetzungsverhalten der Unternehmen und setzt sich aus dem Nominallohn sowie dem Gewinnaufschlag zusammen. Aus der Preis- und Lohnsetzungsgleichung lässt sich eine Funktion ableiten, die den Zusammenhang zwischen Preisniveau, Produktion und dem erwarteten Preisniveau darstellt. Das heißt die Produktion ist umso höher, je niedriger die Arbeitslosenquote bei gegebener Erwerbsbevölkerung ist. Die aggregierte Angebotsfunktion entspricht demnach einer „Arbeitsmarktfunktion“, da hierbei Entscheidungen des Arbeitsmarktes abgebildet werden. Demnach stellt diese Funktion einen positiven Zusammenhang von Preis und Produktion dar. Dabei hängt das Preisniveau positiv von den Preiserwartungen und dem Produktionsniveau ab. Zwei Eigenschaften prägen das Preisniveau: Zunächst führt eine Steigerung der Produktion zu einer Zunahme des Preisniveaus. Durch den Anstieg der Produktion steigt auch die Beschäftigung. Dadurch gehen Arbeitslosigkeit und daraus folgend auch die Arbeitslosenquote zurück. Durch eine bessere Verhandlungsposition der Arbeitnehmer steigen die Nominallöhne. Durch den Anstieg der Nominallöhne nehmen auch die Kosten der Produktion zu, was zu einer Erhöhung der Preise der einzelnen Unternehmen führt. Dadurch steigt das gesamte Preisniveau. Die zweite Eigenschaft des Preisniveaus beschreibt das einfache Verhältnis von Preisniveau und erwartetes Preisniveau. Wird bei der Lohnsetzung mit einem höheren Preisniveau gerechnet, wird ein höherer Nominallohn festgesetzt, um einen höheren Reallohn durchzusetzen. Das gesamte Preisniveau steigt, sobald einzelne Anbieter ihre Preise in Folge der gestiegenen Lohnkosten erhöhen.[3]



Herleitung

Voraussetzung für die Herleitung des aggregierten Angebotes sind:

Lohnsetzungs-Funktion:

W = P^e F(u,z)

Preissetzungs-Funktion:

P = (1+\mu)W


Zunächst wird der Nominallohn aus beiden Gleichungen eliminiert (Gleichsetzung der Funktionen):


P = P^e(1+\mu)F(u,z)

Damit ist das Preisniveau P abhängig von den Preiserwartungen P^e, der Arbeitslosenquote u, dem Gewinnaufschlag \mu und der Sammelvariablen z. Zunächst sollen \mu und z konstant sein, sodass sich nur P in Abhängigkeit von P^e und u verändern kann.


Die Arbeitslosenquote wird in Einheiten der Produktion ausgedrückt:

u = \frac U L = \frac {L-N} L = 1-\frac N L = 1-\frac Y L

Dadurch ist bei gegebener Erwerbsbevölkerung die Arbeitslosenquote um so niedriger, je höher die Produktion ist.

Durch das Einsetzen der Arbeitslosenquote in die oben veränderte Preisniveaugleichung, ergibt sich die Gesamtangebotsfunktion:

P = P^e(1+\mu)F(1-\frac Y L,z)[4]

_________________________________________________________________

 P = tatsächliches Preisniveau
P^e = erwartetes Preisniveau
 W = Nominallohn
 u = Arbeitslosenquote
 z = Strukturvariable auf dem Arbeitsmarkt
\mu = Gewinnaufschlag
 L = Erwerbsbevölkerung
 Y = Produktionsniveau
 N = Beschäftigung
 U = Zahl der Arbeitslosen



Eigenschaften der aggregierten Angebotsfunktion

Die Gesamtangebotsfunktion kann durch drei wesentliche Eigenschaften charakterisiert werden. Die Zunahme der Produktion wird durch eine ansteigende Gesamtangebotskurve gekennzeichnet, die auf einem gleichzeitigen Anstieg des Preisniveaus basiert. Das tatsächliche Preisniveau entspricht dem erwartetem, sofern die Produktion das natürliche Produktionsniveau darstellt. Für die Berechnungen wird von der natürlichen Arbeitslosenquote ausgegangen, deren Grundlage das Gleichgewicht von erwatetem und tatsächlichem Preisniveau ist. In diesem Fall ist auch die Produktion gleich dem natürlichen Produktionsniveau. Dass heißt, im Falle einer Produktion über dem natürlichen Niveau fällt das Preisniveau höher aus als erwartet, liegt sie jedoch unter diesem Wert, stellt sich ein niedrigeres Preisniveau ein. Die dritte Eigenschaft umfasst Veränderungen der Preiserwartungen, die zu einer horizontalen Verschiebung der aggregierten Angebotskurve führen. Das bedeutet bei konstanter Arbeitslosenquote und Produktion, führt eine höhere Preiserwartung zu steigenden Löhnen und damit höheren Preisen. Dies gilt für jedes Produktionsniveau und ist folglich Ursache für die horizontale Verschiebung der Kurve.[4]


Ausprägungen

Unter der Betrachtung der klassischen Theorie wird von einem vertikalen Verlauf der Gesamtangebotsfunktion ausgegangen. Dieser liegt genau an der Kapazitätsgrenze der betrachteten Volkswirtschaft. Damit entspricht die Produktion der Vollbeschäftigungsausprägungsmenge. Unter diesem Gesichtspunkt wird in der klassischen Wirtschaftstheorie von keiner Arbeitslosigkeit ausgegangen. Die Begründung liegt darin, dass auf allen Märkten davon ausgegangen wird, dass diese sich in einem Gleichgewicht befinden. Somit entspricht das gewünschte Angebot der gewünschten nachgefragten Menge. Es wird von einer Preiselastizität von Null ausgegangen. Dadurch ist die aggregierte Angebotskurve vollkommen Preisunelastisch. Sobald Veränderungen des Preisniveaus auftreten, hat dies keine Auswirkung auf die angebotenen Mengen und die Volkswirtschaft produziert damit stets den maximalen Output.

In der Keyne'schen Theorie wird von einem horizontalen Verlauf der Gesamtangebotskurve ausgegangen. Der Grund dafür liegt in der Annahme, dass von einer vollkommenen Preiselastizität des aggregierten Angebots ausgegangen wird. Damit reagiert die Kurve auf kleinste Änderungen des Preises mit einer sehr großen Zunahme der angebotenen Mengen.[2]

Einzelnachweise

  1. Hanusch, Horst / Kuhn, Thomas / Cantner, Uwe: Volkswirtschaftslehre 1 - Grundlegende Mikro- und Makroökonomik. 2002, S. 268.
  2. 2,0 2,1 Hanusch, Horst / Kuhn, Thomas / Cantner, Uwe: Volkswirtschaftslehre 1 - Grundlegende Mikro- und Makroökonomik. 2002, S. 268 bis 269.
  3. Blanchard, Olivier / Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2003, S. 205 bis 206.
  4. 4,0 4,1 Blanchard, Olivier / Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2003, S. 206 bis 207.


Literatur

Horst Hanusch / Thomas Kuhn / Uwe Cantner: Volkswirtschaftslehre 1 - Grundlegende Mikro- und Makroökonomik. 6. Auflage. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-43288-4

Olivier Blanchard / Gerhard Illing: Makroökonomie. 3. Auflage. Pearson Studium, München 2003, ISBN 3-8273-7051-5