Erziehungszoll

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Beim Erziehungszoll handelt es sich um eines Zoll, der vorübergehend junge Wirtschaftszweige des Inlands vor Wettbewerbern aus dem Ausland schützen soll, die aufgrund ihres frühen Starts bereits Größenvorteile und Lerneffekte erlangt haben, welche die inländische Industrie andernfalls kaum einholen könnte.

Definition

Der Erziehungszoll wird vom einem Land erhoben auf ausländischen Güter einer bestimmten Branche, die im Inland gerade am Aufbau ist. Die inländische Produktion in dieser Branche wird mit dem Zoll vor günstiger ausländischer Konkurrenz geschützt, damit diese sich in der Anfangsphase ihres Aufbaues erstmal auf den Binnenmarkt etablieren kann und nicht gleich durch günstigere ausländische Produkte wieder verdrängt wird. Haben sich diese Branchen/Unternehmen entwickelt und sind ausreichend gewachsen sowie wettbewerbsfähig geworden und haben sich an die Weltmarktstandards angepasst, wird dieser Zoll abgeschafft und die inländischen Unternehmen müssen sich auf Markt selber behaupten.

Geschichte

Vom zweiten Weltkrieg bis zu den 70er Jahren beschränkten viele Länder den Import von Industrieprodukten um einen schnelleren Aufbau ihrer Volkswirtschaft zu erreichen. Die USA, Deutschland und Japan erhoben im 19.Jahrhundert hohe Zölle auf Industriegüter, somit begannen die größten Marktwirtschaften der Welt hinter Zollschranken. Friedrich List (dt. Ökonom) hat die Schutzzölle zum ersten Mal gefordert, als er die amerikanischen Unternehmen gegen das gewerblich stärkere England schützen wollte.[1]

Einführung

Freihandel bringt Gewinn für die ganze Welt und auch für das einzelne Land. Trotz dessen weichen immer wieder Länder vom Freihandel ab und verhalten sich protektionistisch. Protektionismus ist eine Form der staatlichen Außenhandelspolitik, die zum Schutz der gesamten Volkswirtschaft eines Landes, bestimmte Branchen oder einzelne Unternehmen inländische Unternehmen gegenüber ausländischen Unternehmen dient. Protektionistische Maßnahmen sind u.a. Schutzzölle und Subventionen. Gründe für solche Maßnahmen sind oft das die Wirtschaftszweige mit relativen Preisnachteil schrumpfen, Beschäftigung und Output nehmen ab. Nachteil des Außenhandels zeigen sich somit in einer oder in wenigen Branchen, die in bestimmten Regionen konzentriert sind. Vorteil des Außenhandels sind z.B. hohe Konsumentenrente, verteilt sich diese auf eine Vielzahl von Unternehmen.[2]

Probleme

Probleme können einerseits in der Hinsicht auftretten, das man Branchen die irgendwann mal einen komparativen Vorteil erhalten könnten, heute schon aufbaut. Beispielsweise ist 1980 Südkorea zum Autoexporteur geworden, wäre bereits 1960 versucht worden die Automobilbranche in Südkorea aufzubauen, wäre das Vorhaben wahrscheinlich fehlgeschlagen, da in den 60er Jahren sowohl Kapital als auch qualifizierte Arbeit sehr knapp waren. [3] Zwei wichtige Produktionsfaktoren haben also gefehlt, somit wäre der Aufbau dieser Branche von anfang an sinnlos gewesen, mit oder ohne Schutzzoll. Andererseits können sich auch dadurch Probleme ergeben, das der Schutzzoll nicht zur Wettbewerbsfähigkeit der Branche beiträgt, da das eine der Hauptfunktionen eines solchen Schutzzolles darstellt, somit hätte er Zoll seine Sinn nicht erfüllt.

Gefahren

Die Gefahr besteht darin das sich mit der Innovationskraft einer Branche verschätz werden kann in Hinsicht darauf das ein Schutzzoll dauerhaft bleibt und somit der "Erziehunggedanke" nicht erfüllt wird.[4] Es ist bekanntlich immer einfach einen solchen Zoll einzuführen, da im eigenen Land niemand dagegen sprechen wird den es direkt betrifft aber um so schwieriger ist es diesen Zoll wieder aufzuheben.

Rechtfertigung

Eine Rechtfertigung solches Erziehungszolls wird oft durch Marktversagen beschrieben. In dieser Hinsicht werden zwei Arten von Marktversagen aufgeführt: die Verwertbarkeit und der unvollkommene Kapitalmärkte.

Bei dem unvollkommenen Kapitalmärkten tritt ein Marktversagen auf, wenn ein Entwicklungsland nicht genügend Banken und Aktienmärkte zu Verfügung hat und somit können keine Ersparnisse aus der Landwirtschaftbranche zur Finanzierung von neuen Branchen weitergegeben werden, somit wird das Wachstum der neuen Branchen durch diese Einschränkung der Gewinnmöglichkeiten stark behindert. Diese geringe Gewinnspanne führt folglich zu einen Investitionshinternis, somit ist kein Aufbau neuer Branchen möglich durch den nicht genügend vorhandenen Kapitalmarkt. Eine Lösung wäre die Schaffung eines besseren Kapitalmarkt aber andererseits würde durch Schutzzölle die neuen Branchen höhere Gewinne und schnelleres Wachstum erfahren.

Verwertbarkeit heißt hier, das Unternehmen die eine neue Branche aufbauen einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen herstellen, dieser aber nicht dem Unternehmen gegenüber vergütet wird. D.h. ein Unternehmen welches neu in eine Branche eintritt muss ihre Technologie an die örtlichen Gegebenheit anpassen und in neuen Märkten Einzug finden, dieses verursacht zunächst "Startkosten". Andere Unternehmen können dann einfach nachziehen und haben nicht diese "Startkosten" zu tragen, sowie der anfängliche Ertrag als Erster in der Branche bleibt aus bzw. verteilt sich auf alle Unternehmen die zu der Zeit schon auf diesen Markt sind. Folglich schrecken viele private Unternehmen vor Erschließung neuer Branchen zurück. Diese so genannten Pionierunternehmen stellen somit nicht nur materielle Produkte her sondern schaffen auch immaterielle Leistungen wie Wissen und neue Märkte, dafür können sie aber keine Eigentumsrechte fordern. Eine gute Lösung würde darin bestehen eine Entschädigung für die immateriellen Leistungen an diese Unternehmen zu vergeben, dies ist nur in Einzelfällen möglich. Somit greift als beste Lösung, der Schutz dieser neuen Branche mit einem Zoll.[5]

Wirtschaftsbeispiel

Ein erfolgreicher Erziehungszoll ist in Japan und Südkorea zu finden in der Stahl, Automobil und Elektronikbranche. Sie haben den Zoll auf diese Branchen erhoben, haben diese wachsen lassen und sich auf dem Binnenmarkt etablieren lassen und haben dann den Erziehungszoll wieder aufgehoben von den gleichen ausländischen Produkten dieser Branche und die neuen Branchen haben sich auch gut auf dem Weltmarkt mit der bestehenden Konkurrenz geschlagen.

Leider gibt es bei der Erziehungszoll-Methode mehr Fehlschläge als Erfolge, wie in Brasilien. 1984 wurde dort ein Gesetz verabschiedet das den Import von Computern untersagt hat, dieses wurde auch ohne Rücksicht und Bedacht durchgesetzt. Es würde sogar eine so genannte "Computer-Polizei" gestellt, die Büros und Schulen nach illegalen ausländischen Computer durchsuchten. Brasilien wollte eine eigene Computerindustrie in Inland aufbauen, was aber nicht gelang. Gründe dafür war vor allem das hochinnovative Branchen mit schneller Entwicklungsgeschwindigkeit sich nur in internationaler Verbundenheit entwickeln können, d.h. das die Technologie der Brasilianer um Jahre hinter der internationalen Konkurrenz zurück lag und dieser Abstand ist durch den Schutzzoll sogar noch vergrößerte. Das Gesetz verursachte schätzungsweise rund 900 Mio. US-$ pro Jahr an Kosten. 1990 erkannte ihr Wirtschaftsministerium das Scheitern und die ökologische Unsinnigkeit des Gesetzes.[6] Aber 1992 wurde jedoch erst das Gesetz aufgehoben, durch die Lobbyisten, die eine Aufhebung noch verzögert haben, zu ihrem eigenen Nutzen, da sie daran sehr gut verdient hab.

Ein weiteres Beispiel für einen Fehlschlag es Erziehungszoll ist die amerikanische Automobilindustrie. Die USA haben zwischen 1981 und 1984 ihre Automobilbranche durch einen Zoll vor ausländischer Konkurrenz geschützt. Es brachte zunächst um die 30.000 neue Arbeitsplätze ein aber auch einen Kaufkraftschwund der Nachfrager, da sie für ein neues Auto ca. 500 US-$ mehr bezahlen mussten. Wenn man das auf die neu geschaffenen Arbeitsplätze bezieht hat man jeden Arbeitsplatz mit 100.000 US-$ pro Jahr gefördert, d.h. eine Zahlung von Arbeitslosengeld an die 30.000 Beschäftigten wäre kostengünstiger gewesen..[7] Somit hat der Erziehungszoll nur einseitig seine Funktion erfüllt, da aber in einer Volkswirtschaft alles miteinander verbunden ist und zusammenhängt ist eine negative Rückkopplung bei anfänglichem Erfolg meistens nicht berücksichtigt wurden. Folglich hat der Zoll der USA mehr gekostet als das er Nutzen gebracht hat.

Quellen

Horst Siebert; "Außenwirtschaft" 6.Auflage, Gustav Fischer Verlag Stuttgart 1994

Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld; "Internationale Wirtschaft" 7.Auflage, Pearson Studium 2006

Rose/Sauerheimer; "Theorie der Außenwirtschaft" 12.Auflage, Verlag Vahlen München 1995

Eckart Koch; "Internationale Wirtschaftsbeziehungen" 1.Auflage, Verlag Vahlen München 1992

Dietmar Butt; "Außenwirtschaftslexikon" 1.Auflage, deutscher Wirtschaftsdienst 1985

Wolfgang Eibner; "Anwendungsorientierte Außenwirtschaft: Theorie & Politik" 1.Auflage, Oldenbourg 2006

Einzelnachweise

  1. P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München, 2006, S. 323,324
  2. H. Siebert; Außenwirtschaft, 6. Auflage, Stuttgart u.a., 1994, S. 168,169
  3. P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München u.a., 2006, S. 324
  4. Wolfgang Eibner; Anwendungsorientierte Außenwirtschaft: Theorie & Politik 1.Auflage, Oldenbourg 2006, S.116
  5. P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München u.a., 2006, S. 325
  6. Wolfgang Eibner; Anwendungsorientierte Außenwirtschaft: Theorie & Politik 1.Auflage, Oldenbourg 2006, S.116,117
  7. Wolfgang Eibner; Anwendungsorientierte Außenwirtschaft: Theorie & Politik 1.Auflage, Oldenbourg 2006, S.117,118

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