Dienstleistungsbilanz

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In der Dienstleistungsbilanz (auch Bilanz der unsichtbaren Ein- und Ausfuhren genannt) werden alle länderübergreifenden Importe und Exporte von Dienstleistungen einer Volkswirtschaft erfasst.

Dienstleistungsexporte (Einnahmen) stellen dabei alle Zahlungen dar, bei denen Ausländer im Inland Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Dienstleistungsimporte (Ausgaben) werden dagegen von inländischen Staatsbürgern im Ausland getätigt.

Definition

Brümmerhoff, Dieter
“In der Dienstleistungsbilanz werden die Einfuhr und Ausfuhr von Dienst- und Faktorleistungen verbucht. Die Dienstleistungsbilanz setzt sich zusammen aus Dienstleistungen recht unterschiedlicher Art, aus mit diesen eng verbundenen, relativ geringfügigen Warenaus- und -einfuhren sowie aus den Entgelten für die Faktorleistungen (im wesentlichen Arbeitseinkommen und Kapitalerträge).“ [1]

Aufbau

Die Dienstleistungsbilanz ist eine Stromgrößenrechnung, dass heißt es werden alle Zahlungen innerhalb eines Jahres erfasst (im Gegensatz dazu werden bei Bestandsgrößen nur bestimmte Zeitpunkte dargestellt).


Bestandteile
Reiseverkehr
Transportleistungen
Versicherungsleistungen
Kapitalerträge
Regierungsleistungen
Provisionen, Werbe- und Messekosten
Lizenzen und Patente
Arbeitsentgelt
restliche Dienstleistungen

Die folgenden Komponenten haben einen großen Anteil an der Dienstleistungsbilanz:
Der Bereich des Reiseverkehrs bildet alle Zahlungen ab, die vor allem den Tourismus bestreffen. Der Transportbereich umfasst im großen Maße Schiffs- und Flugfrachten und alle damit verbundenen Leistungen. Die Kapitalerträge bestehen aus Zinsen, Dividenden und Gewinnen aus zwischenstaatlichen Kapitalanlagen. Diese gelten gewissermaßen als Entgelte für Dienstleistungen, die die Kapitalanlage betreffen. Die Einnahmen bzw. Ausgaben der Regierungen (Regierungsleistungen) betreffen die Stationierung ausländischer Truppen in Deutschland bzw. deutscher Soldaten im Ausland, die dort Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Diese Leistungen lassen sich mit dem Reiseverkehr vergleichen.


Ein Problem bei der Aufstellung der Dienstleistungsbilanz stellt die schwierige Erhebung der Daten dar. Die Gesamtsumme aller Im- und Exporte lässt sich nur auf Grund von Stichproben und Überlegungen bestimmen. Des Weiteren werden alle Warenimporte und –exporte, die im Zusammenhang mit Dienstleistungen stehen, aus Vereinfachungsgründen nicht der Warenbilanz, sondern der Dienstleistungsbilanz zugerechnet (z. B. Warenkäufe, die im Rahmen des Reiseverkehrs getätigt wurden).

Die Dienstleistungsbilanz wird im System der doppelten Buchführung geführt, dass heißt jede internationale Zahlung wird automatisch in der Zahlungsbilanz doppelt erfasst. Gegenkonto zur Dienstleistungsbilanz ist dabei die Kapitalbilanz (erfasst alle Kapitalbewegungen). Innerhalb der Dienstleistungsbilanz werden Exporte auf der Sollseite und Importe auf der Habenseite verbucht.

Einordnung

Die Dienstleistungsbilanz ist ein Teil der Zahlungsbilanz. Die Zahlungsbilanz erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Deutschland und dem Ausland. Sie unterteilt sich auf der Aktivseite in die Ertragsbilanz und auf der Passivseite steht die Kapitalverkehrsbilanz. Zusammen mit der Warenbilanz bildet die Dienstleistungsbilanz den Außenbeitrag. Dies ist die Differenz zwischen den ein- und ausgeführten Waren und Dienstleistungen.


Zahlungsbilanz

Kapitalverkehrsbilanz
Handelsbilanz Bilanz der Direktinvestitionen
Dienstleistungsbilanz Bilanz der Portfolioinvestitionen
Arbeits- und Kapitaleinkommensbilanz Kapitalbilanz
Bilanz der laufenden Übertragungen Veränderungen der Währungsreserven

Anwendungsbeispiel

Die deutsche Dienstleistungsbilanz ist traditionell passiv, dass heißt der Import ausländischer Dienstleistungen übersteigt den Export (im umgekehrten Fall handelt es sich um eine aktive Dienstleistugsbilanz). Die größte Bedeutung wird dabei dem Reiseverkehr beigemessen, wobei die Reiselust der Deutschen zu erheblichen Dienstleistungsimporten führt. Vor allem in dieser Position lässt sich der große negative Anstieg - besonders in den Jahren 2000 und 2001 - in den letzen Jahrzehnten erklären.


Jahr Importe Exporte Gesamt
2007 161.250,12 177.524,39 -16.274,27
2006 152.432,13 167.988,41 -15.556,28
2005 134.098,19 159.012,32 -24.914,13
2004 119.951,45 149.292,13 -29.340,68
2003 111.288,14 145.785,38 -34.497,24
2002 110.766,90 146.494,56 -35.727,65
2001 101.446,76 151.308,45 -49.861,69
2000 92.786,61 141.793,10 -49.006,49
1990 53.026,17 66.379,91 -13.353,74
1980 31.189,23 38.389,79 -7.200,56

in Mio. Euro
Quelle: Deutsche Bundesbank[2]

Einzelnachweise

  1. Dieter Brümmerhoff: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Oldenbourg, München/Wien 1995, S. 170
  2. Deutsche Bundesbank: http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen

Literatur

  • Adebahr, Hubertus: Währungstheorie und Währungspolitik. Duncker & Humblot, Berlin 1990
  • Brümmerhoff, Dieter: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Oldenbourg, München/Wien 1995
  • Dr. Haberler, Gottfried: Der internationale Handel. Verlag von Julius Springer, Berlin 1933
  • Konrad, Anton: Zahlungsbilanztheorie und Zahlungsbilanzpolitik. Vahlen, München 1979
  • Willms, Manfred: Internationale Währungspolitik. Vahlen, München 1995

Weblinks