Binnenpreis

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  • auch Binnenmarktpreis oder interner Preis genannt.


Der Binnenpreis ist der Preis, zu dem ein Gut im Inland gehandelt wird. Der Binnenpreis wird oft in Zusammenhang mit dem Weltmarktpreis (Außenpreis) gebracht.

Es gibt auch den sogenannten EU-Binnenpreis. Das ist der Marktpreis für Güter innerhalb der Europäischen Union.


Der Binnenpreis im Gleichgewicht

Unter den Bedingungen vollständiger Konkurrenz wird der Gleichgewichtspreis und die Gleichgewichtsmenge durch den Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve bestimmt. Bei diesem Preis stimmt die angebotene Menge der Produzenten mit der Nachfragemenge der Konsumenten überein. In Abb. 1 liegt der Gleichgewichtspreis bei 450 Geldeinheiten pro Menge. Bei allen Preisen die über dem Gleichgewichspreis liegen, kommt es zu einem Überschussangebot eines bestimmten Gutes. Bei einem Preis, der unter dem Gleichgewichtspreis liegt, wird ein Gut mehr nachgefragt als die Produzenten bereitstellen wollen, so dass eine Überschussnachfrage entsteht. Es kommt somit zu einer Preissenkung bei einem Überschussangebot bzw. zu einem Preisanstieg bei einer Überschussnachfrage.


Sind Angebot und Nachfrage auf dem Binnenmarkt ausgeglichen, bleibt der Binnenpreis unverändert, da er sein Gleichgewichtsniveau erreicht hat. In Autarkie ist dieser Preis der inländische Gleichgewichtspreis auf dem Binnenmarkt.

Binnenpreis.jpg

Abb. 1: Gesamtangebot und Gesamtnachfrage auf dem Binnenmarkt


Zusammenhänge zwischen Binnenpreis und Weltmarktpreis

Kommt es zu einer Abweichung vom Gleichgewichtspreis auf dem Binnenmarkt, so entstehen Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage. Es kann zu einem Überschussangebot kommen, wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage bzw. im umgekehrten Fall kann es zu einer Überschussnachfrage kommen (Abb. 1). Diese Abweichung vom Gleichgewichtspreis kann es allerdings nur kurzzeitig geben. "Eine bleibende Abweichung wird erst dann möglich, wenn eine Verbindung zwischen dem inländischen Binnenmarkt und dem Weltmarkt besteht, wo ein Überschussangebot abgesetzt bzw. eine Überschussnachfrage gedeckt werden kann."[1]


"Folgende Konstellationen sind zwischen Binnen- und Weltmarktpreis möglich:


  1. Der Weltmarktpreis stimmt mit dem Preis auf dem Binnenmarkt überein.
  2. Der Weltmarktpreis liegt über dem Binnenpreis.
  3. Der Weltmarktpreis liegt unter dem Binnenpreis."[2]


Stimmen Weltmarkt- und Binnenpreis überein, so besteht im Inland weder ein Überschussangebot noch eine Überschussnachfrage. Wenn der Weltmarktpreis über den Gleichgewichtspreis auf dem Binnenmarkt (Binnenpreis) steigt, erhöhen die Produzenten den Export von inländischen Gütern. Die Konsumenten dagegen schränken ihre Nachfrage durch den erhöhten Weltmarktpreis ein. Es kommt zu einem Überschussangebot. Liegt der Weltmarktpreis unter dem Binnenpreis, führt das zu einer Überschussnachfrage der Konsumenten im Inland. Das bedeutet eine erhöhte Nachfrage im Inland nach importierten, vergleichsweise günstigeren Waren (Abb.2).

Gäbe es nur den Binnenmarkt, würde sich ein sehr niedriger Preis bzw. ein sehr hoher Preis nicht lange halten, sondern sehr schnell sein inländisches Gleichgewicht im Schnittpunkt vom Gleichgewichtspreis und der Gleichgewichtsmenge wieder finden.

Weltmarkt1.jpg

Abb. 2: Überschussangebot und Überschussnachfrage auf dem Weltmarkt

Auswirkungen von Exportsubventionen auf den Binnenpreis

Exportsubventionen (=Ausgleichszahlungen an inländische Produzenten) dienen der Förderung von Industriezweigen, welche als unverzichtbar definiert wurden z.B. landwirtschaftliche Produktion. Diese Produkte sind auf dem Weltmarkt nicht absatzfähig bzw. deren Herstellungskosten überschreiten den Weltmarktpreis. "Die Europäische Union zum Beispiel garantiert ihren Landwirten für viele Produkte Mindestpreise in Europa und erstattet unter bestimmten Bedingungen bei Exporten die Differenz zum niedrigeren Weltmarktpreis."[3] Dadurch erhalten sie gegenüber Anbietern aus anderen Ländern einen Wettbewerbsvorteil. Das führt dazu, dass die Entwicklungsländer ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr absetzen können und subventionierte Güter importieren. Das Gut wird solange exportiert, bis der Binnenpreis den Auslandspreis um die Höhe der Subvention übersteigt. Im Inland führt die Subvention zur Erhöhung des Binnenpreises, da die exportierten Güter knapp werden.


Subventionierung von Rindfleisch

Die Herstellungskosten von Rindfleisch liegen bei 3,56 €/kg, der Verkaufspreis auf dem Binnenmarkt liegt bei 2,62 €/kg und auf dem Weltmarkt bei 2,05 €. Dieses Nahrungsmittel wird also subventioniert, um den Landwirten im Inland garantierte Preise zu bieten und ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen. Durch die starke Subventionierung in den Industrieländern führt dies zur Überschussproduktion von Rindfleisch und deren Export zu Preisen, die unter dem Weltmarktpreis liegen (Abb.3).


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Abb. 3: Exportsubventionierung von Rindfleisch


Der Rindfleischpreis wird von P^w auf P^s durch die Subvention angehoben, so dass die Produzenten begünstigt werden. Die Konsumenten dagegen müssen im Inland einen höheren Preis für Rindfleisch zahlen. Die Subvention erhöht die Staatsausgaben, die zu Wohlfahrtsverlusten im Inland führen.

Einordnung

Der Begriff Binnenpreis ist in der VWL unter der Thematik "Das Eingüter-Modell des internationalen Handels" einzuordnen.


Quellen

Einzelnachweise

  1. P. Zweifel/Robert H. Heller: Internationaler Handel, Theorie und Empirie, 3. Auflage, S. 36.
  2. P.Zweifel/Robert H. Heller: Internationaler Handel, Theorie und Empirie, 3. Auflage, S. 36.
  3. Deutsche Welthungerhilfe e.V.: www.welthungerhilfe.de; Abgerufen: 20.04.2008.

Literatur

  • P. Zweifel/Robert H. Heller: Internationaler Handel, Theorie und Empirie, 3. Auflage, Kapitel 2.
  • Paul R. Krugmann/M. Obstfeld: Internationale Wirtschaft, 7., aktualisierte Auflage.
  • Fritz Breuss: Außenwirtschaft Band II, Springer-Verlag/Wien, 1998.
  • Jörn Altmann: Außenwirtschaft für Unternehmen, Europäischer Binnenmarkt und Weltmarkt, Gustav Fischer Verlag.

Weblinks