Big-Mac-Index

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Der Big Mac Index gibt die Preise des Big Macs in den verschiedenen Ländern an. Durch die Umrechnung der inländischen Währungen zum aktuellen US-Dollar-Kurs, können diese untereinander methodisch verglichen werden[1]. Der Big Mac könnte dahingehend ein guter und einfacher Indikator sein, da es ihn fast überall auf der Welt in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität gibt. Auf nationaler Ebene gibt es jedoch kleine Unterschiede. So besteht beispielsweise das Fleisch in Indien, teils auch aus religiösen Gründen, aus Hähnchenfleisch.

Nicht nur der Big Mac ist ein solch geeigneter Indikator, sondern auch der iPod, die Coca Cola und der Tall Latte, sodass es diese neben dem Big Mac Index auch gibt.

Entwicklung

Der Burger-Index wurde von der britischen Wochenzeitschrift für Wirtschaft, Politik und Kultur The Economist im Jahre 1986 erstmalig veröffentlicht und wird seitdem regelmäßig erhoben. Die Zeitschrift wurde 1843 gegründet und gehört seit über 80 Jahren mit der Hälfte des Kapitals der Financial Times (Tochterunternehmen des britischen Medienkonzerns Pearson Plc.).[2] Entwickelt wurde der Index von der Redakteurin Pam Woodall, welche noch heute als Journalistin für asiatische Wirtschaft für The Economist tätig ist.[3]

Begriffliche Einordnung

The Economist entwickelte den Index als Preisvergleich und Kaufkraftvergleich der Länder untereinander. Die Grundlage dafür bietet eine der ältesten Betrachtungen der internationalen Makroökonomie: Die Kaufkraftparität (KKP, engl.: Purchasing power parity, PPP), welche unter anderem von David Ricardo und weiteren britischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde.[4]

Kaufkraftparität

Die Kaufkraftparität ist die Situation, in der die Kaufkraft zweier Währungen, gemessen anhand eines Index von verschiedenen Güterpreisen, gleich ist.[5] Mit anderen Worten heißt das, dass bei homogenen Gütern zwischen zwei Ländern keine Preisabweichungen bestehen. Das gilt, wenn der Preis für den Warenkorb, mithilfe der Umrechnung durch den Kaufkraftparitätenkurses, in eine gemeinsame Währung dargestellt wird. Die homogenen Güter werden in einem Warenkorb zusammengefasst, unter der Annahme, dass der Warenkorb das Preisniveau eines Landes wiedergibt. Dass die Warenkörbe in jedem Land nicht gleich viel kosten, ist unter anderem mit der Kaufkraft der Kunden zu begründen.

Gesetz der Preiseinheitlichkeit

Die Grundlage für die Kaufkraftparitätentheorie bietet das Gesetz der Preiseinheitlichkeit (Gesetz der Preisunterschiedslosigkeit für homogene Güter; engl. law of one price). Es besagt, dass ein homogenes Gut in zwei verschiedenen Ländern keine Preisunterschiede aufweist, solange völliger Freihandel zwischen den Ländern besteht und die Transport- und Versicherungskosten zur Vereinfachung vernachlässigt werden.[6]

Bei einem homogenen Gut, welches im Land 1 und im Land 2 nach Umrechnung, mithilfe des jeweiligen Wechselkurses in einer einheitlichen Währung, Preisdifferenzen aufweist, führt das Ausnutzen von den Preisdifferenzen zwischen den gleichen Gütern zur Realisierung des Gesetzes der Preiseinheitlichkeit für homogene Güter[7]. Das heißt, dass die Güter in einem Land preisgünstiger eingekauft werden und in einem anderen Land gewinnmaximierend verkauft werden. Dieser Arbitragehandel bedingt, dass die Güter solange in das Importland gewinnmaximierend verkauft werden, bis der Preis für diese Güter auf das Preisniveau des Exportlandes sinkt.

Das Gesetz ist aber nicht auf den Big-Mac-Index anwendbar. Denn ein hungriger Isländer kann in dem Moment keinen Big Mac in China kaufen, sodass der Big Mac kein wirklich handelbares Gut ist.

Big Mac in über 140 Ländern

Definition und Wesen des Big Mac Index'

Im Fall des Big Mac Index` besteht der Warenkorb nur aus einem Gut, welches aber in über 140 Ländern erhältlich ist: Der Big Mac von der Restaurantkette Mc Donalds.

Seit über 40 Jahren besteht der Hamburger durch die strengen Auflagen der Franchiseverträge überall standardmäßig aus denselben Zutaten: Sesambrötchen, Rinderhackfleisch, Schmelzkäse, Salat, Gewürzgurken, Zwiebeln und Big Mac Sauce.[8]

Bei der von The Economist erhobenen Studie werden die Preise für einen Big Mac in unterschiedlichen Ländern in der inländischen Währung erhoben und werden durch die Umrechnung zu dem zu der Zeit herrschenden Wechselkurs in US-Dollar vergleichbar gemacht.[9][10]

Inlandskaufkraft

Der Big Mac ist auch ein gutes Vergleichsprodukt durch die Strategien von Mc Donalds, Zutaten aus der Umgebebung zu verwenden und namhafte Markenhersteller als Lieferanten zu beziehen. So könnte der Big Mac Index eine einfache Methode sein, die Inlandskaufkraft miteinander zu vergleichen.

In Deutschland liefern die Zutaten für den Big Mac vorwiegend:

  • Kamps / FSB Backwaren: Brötchen
  • Esca Food Solutions: Rindfleischboulette
  • Hochland: Käsescheibe
  • Bonduelle / Havita / VanGorp: Salat
  • Develey: Gewürzgurke und (Big Mac) Sauce [11]

Index 2007

[12] Land Big-Mac Preis[13] Big-Mac Preis [14] Wechselkurs Stand (2. Juli 2007)
USA 3,41 $ 3,41
Ägypten 9,54 Pound 1,68 5,69
Argentinien 8,25 Peso 2,67 3,09
Australien 3,45 A$ 2,95 1,17
Brasilien 6,90 Real 3,61 1,91
Chile 1.565 Peso 2,97 27
China 11,00 Yuan 1,45 7,6
Costa Rica 1.130 Colon 2,18 519
Dänemark 27,75 Dkr 5,08 5,46
Estland 30,00 Kroon 2,61 11,5
Euro-Länder[15] 3,06 € 4,17 1,36
Großbritannien 1,99 Pfund 4,01 2,01
Hong Kong 12,00 HK$ 1,54 7,82
Indonesien 15.900 Rupiah 1,76 9015
Island 469 Kronur 7,61 61,7
Japan 280 Ұ 2,29 122
Kanada 3,88 C$ 3,68 1,05
Kolumbien 6.900 Peso 3,53 1,96
Lettland 1,39 Lats 2,72 0,51
Litauen 6,60 Litas 2,61 2,53
Malaysia 5,50 Ringgit 1,60 3,43
Mexiko 29,00 Peso 2,69 10,8
Neuseeland 4,60 NZ$ 3,59 1,28
Norwegen 40,00 Kroner 6,88 5,81
Pakistan 140 Rupee 2,32 60,4
Paraguay 10.500 Guarani 2,04 5,15
Peru 9,50 New Sol 3,00 3,17
Phillippinen 85,00 Peso 1,85 45,9
Polen 6,90 Zloty 2,51 2,75
Russland 52,00 Rouble 2,03 25,6
Saudi-Arabien 9,00 Riyal 2,40 3,75
Schweden 33,00 Skr 4,86 6,79
Schweiz 6,30 Sfr 5,20 1,21
Singapur 3,95 S$ 2,59 1,52
Slovenien 61,30 Koruna 2,49 24,6
Sri Lanka 210 Rupee 1,89 111
Südafrika 15,50 Rand 2,22 6,97
Südkorea 2.900 Won 3,14 923
Taiwan 75,00 NT$ 2,29 32,8
Thailand 62,00 Baht 1,80 34,5
Tschechien 52,90 Koruna 2,51 21,1
Türkei 4,75 Lire 3,66 1,3
UAE 10,00 Dirhams 2,72 3,67
Ukraine 9,25 Hryvnia 1,84 5,03
Ungarn 600 Eorint 3,33 180
Uruguay 62,00 Peso 2,59 23,9
Venezuela 7.400 Bolivar 3,45 2,15

Berechnung und Auswertung

KKP-Kurs

Der Kaufkraftparitäten-Kurs ist sozusagen ein hypothetischer Wechselkurs.[16] Er gibt an wie hoch ein Wechselkurs sein müsste, damit die realen Preise der Güter in den zwei betrachteten Ländern einem Preisniveau entsprechen. Als Formel ausgedrückt bedeutet das:

 P= \frac {P^*} {W} , wobei

  •  P der Preis eines gegebenen Warenkorbes im Inland und
  •  P^* der Preis des entsprechenden Warenkorbes im Ausland ist und
Über- / Unterbewertungen der einzelnen Währungen im Vergleich zum US-Dollar (in Anlehnung an den Big Mac Index 2007)[12]

Es wird angenommen, dass der Wechselkurs langfristig dem Wert des KKP-Kurses entsprechen sollte, damit die Währungen untereinander gleichmäßig bewertet sind.

Über- / Unterbewertung einer Währung

Mit Hilfe der Hamburgerpreise stellt die Fachzeitschrift die Über- und Unterbewertung der jeweiligen Länder dar und könnte somit die These des herrschenden Gleichgewichts auf dem internationalen Währungsmarkt wiederlegen. Besonders überbewertete Währungen sind laut des Big Mac Index' Kronen von Island und Norwegen und die Schweizer Franken. Eine Über- bzw. Unterbewertung herrscht vor, wenn einheimische Güter bedingt durch den Wechselkurs teurer bzw. günstiger als homogene Güter im Ausland sind.[17]

Der Prozentsatz (x) der Über-/Unterbewertung ist demzufolge:



x = 100 \cdot \Biggl(
\frac
{\text{WK} - \text{KKP-Kurs} }
{\text{KKP-Kurs} } \Biggr)
mit

  • WK: der tatsächliche Wechselkurs der inländischen Währung in US-Dollar


Somit ist der Preis der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar auf dem Devisenmarkt zu 53% überbewertet und die norwegischen Kronen sogar zu 102%. Spitzenreiter ist in der letzten Studie (2007) von The Economist aber Island, überbewertet mit 123%.

Am billigsten sind hingegen die Währungen von China, Hong Kong und Ägypten. Während ägyptische Pound mit 51% und Hong Kong Dollar mit 55% gegenüber dem US-Dollar unterbewertet sind, ist der Yuan (chinesische Währung) sogar mit 58% unterbewertet.

Kritische Betrachtung

Die Big Mac Preise sind jedoch keine gute Vergleichsgrundlage. Dass die Burgerpreise untereinander vergleichbar gemacht werden durch den aktuellen Wechselkurs beinhaltet in der kurzen Frist auch, dass die Wechselkurse nicht nur aus Preisentwicklungen und Güterströmen bestimmt werden. Sondern der Wechselkurs wird wesentlich auch durch Devisenspekulationen und Zinsdifferenzen zwischen den Ländern, Konjunkturentwicklungen und politischen Faktoren bestimmt.[18] So ist eine eindeutige Umrechnung in der kurzen Frist nicht möglich, auch wenn der Index eine langfristige Betrachtung sein soll, wird er verunreinigt durch diesen Umrechungsvorgang.

Aber nicht nur der Wechselkurs wird durch viele Einflussfaktoren bestimmt, sondern auch der Big Mac Preis. Der Preis wird zudem bestimmt durch die Kosten der Burger-Produktion, welche in jedem Land verschieden sind, und weiteren Faktoren, wie zum Beispiel:

Des Weiteren ist es oftmals billiger, nationale Speisen zu kaufen. Die Bedeutung des Big Mac' ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Er ist in den Industriestaaten eher ein Gebrauchsgut und beispielsweise in den ostasiaten Ländern ein Luxusgut.

Somit ist der Big Mac Index kein wissenschaftlicher Beweis der Über- und Unterbewertung der Währungen. Aber insgesamt ist er ein gutes Mittel die komplexen Wechselwirkungen auf internationaler Ebene einfach darzustellen.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Bofinger, Peter „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre“, Pearson Studium, 2., aktualisierte Auflage, München 2007, Seite 544
  2. Vgl. Artikel: About Us Kapitel: About The Economist - In: The Economist (Abgerufen am 06.04.2008; 15.24 Uhr)
  3. Vgl. Artikel: Author Interview - In: The Economist (Abgerufen am: 08.04.2008; 20.53 Uhr)
  4. Krugmann, P. R.; Obstfeld, M. "Internationale Wirtschaft“, Pearson Studium, 7., aktualisierte Auflage, München 2006, Seite 478
  5. „Gabler Wirtschaftslexikon“, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, 16. Auflage, Wiesbaden 2005, Seite 1663
  6. Baßeler, U.; Heinrich, J.; Utecht, B. „Volkswirtschaft“, Schäffer-Poeschel Verlag, 18. Auflage, Stuttgart 2006, Seite 579
  7. Vgl. Baßeler, U.; Heinrich, J.; Utecht, B. „Volkswirtschaft“, Schäffer-Poeschel Verlag, 18. Auflage, Stuttgart 2006, Seite 579
  8. Mc Donalds: Zutaten für Burger der USA Bearbeitungsstand: 08.04.2008 (Abgerufen am 16.04.2008; 16.24 Uhr)
  9. Vgl. Bofinger, P. "Grundzüge der Volkswirtschaftslehre", Pearson Studium, 2., akualisierte Auflage, München 2007, Seite 544
  10. Vgl. Artikel: About The Economist - In: The Economist (Abgerufen am 06.04.2008; 15.24 Uhr)
  11. Mc Donalds Lieferanten in Deutschland (Abgerufen am 07.04.2008; 01.04 Uhr)
  12. 12,0 12,1 Vgl. Artikel: Big Mac Index - In: The Economist Bearbeitungsstand: 5. Juli 2007 (Abgerufen am 18. April 2008; 02.24 Uhr)
  13. in inländischer Währung
  14. in US-Dollar
  15. Gewogener Durchschnitt (der 12 wichtigsten Handelspartnern des Euro-Raums)
  16. Vgl. Krugmann, P.R.; Obstfeld, M. "Internationale Wirtschaft", Pearson Studium, 7., akualisierte Auflage, München 2006, Seite 490
  17. Vgl. Krugmann, P.R.; Obstfeld, M. "Internationale Wirtschaft", Pearson Studium, 7., akualisierte Auflage, München 2006, Seite 491
  18. Vgl. „Gabler Wirtschaftslexikon“, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, 16. Auflage, Wiesbaden 2005, Seite 1664

Literatur

  • Baßeler, U.; Heinrich, J.; Utecht, B. Volkswirtschaft, Schäffer-Poeschel Verlag, 18. Auflage, Stuttgart 2006
  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006) Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. München: Pearson Studium
  • Bofinger, Peter Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Pearson Studium, 2., aktualisierte Auflage, München 2007
  • Gabler Wirtschaftslexikon, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, 16. Auflage, Wiesbaden 2005
  • Krugmann, P. R.; Obstfeld, M. Internationale Wirtschaft, Pearson Studium, 7., aktualisierte Auflage, München 2006

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