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Restriktive Geldpolitik

Restriktive Geldpolitik ist der strategisch-politische Ausdruck zur Verminderung der umlaufenden Geldmenge in einer Volkswirtschaft oder Gemeinschaft (EU). Es wird als Gegenstück zur expansiven Geldpolitik verstanden.


Ziele

Das primäre Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Unterstützung der Preisstabilität, um einer evtl. anstehenden oder bereits bestehenden Inflation entgegen zu wirken. Die sekundären Ziele dieser Politik sind die Erhaltung eines hohen Beschäftigungsstands, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum. Die beiden Zielgruppen zusammen ergeben das magische Viereck, welches auch als Basis für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft zu verstehen ist.


Maßnahmen

Grundlegend stehen in diesem Zusammenhang der Zentralbank drei wesentliche Instrumente zur Verfügung. Dabei erfolgt die Umsetzung der Ziele durch die Ausführungen von Offenmarktgeschäften, das Angebot ständiger Fazilitäten und die Einführung eines Mindestreservesystems.


Offenmarktpolitik

An- und Verkauf von offenmarktfähigen Wertpapieren durch die Notenbank am „offenen Markt“ zur Steuerung der Geldmenge. Der Wertpapierhandel läuft meistens in Form von Pensionsgeschäften ab, wobei die Konditionen der Geschäfte in einem Ausschreibungsverfahren (Tenderverfahren) festgelegt werden. Das bedeutet, die Notenbank bringt eine Ankündigungen heraus, die Geschäftsbanken geben dazu ihre Gebote ab (also wie viel und zu welchen Preis sie das Zentralbankgeld haben wollen) und die Notenbank teilt daraufhin das Zentralbankgeld nach bestimmten Quoten zu. Noch während der Abwicklung der Offenmarktgeschäfte werden die Termine zum Rückkauf bzw. -verkauf vereinbart, d.h. sind diese Geschäfte Termingebunden.


Ständige Fazilitäten

Ergänzend zur Offenmarktpolitik besteht die Möglichkeit für die Geschäftsbanken auf eigene Initiative, ständig - also nicht termingebunden - Liquidität von der Zentralbank zu erhalten, um kurzfristige Engpässe bzw. Überschüsse an Liquidität zu vermeiden („Liquidität über Nacht“).


Mindestreservepolitik

Die Geschäftsbanken in den Mitgliedsländern der EWWU sind verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz (aktuell 2%) an Geldreserven aus dem bei ihnen angelegten Sicht-, Termin- und Spareinlagen auf Konten der nationalen Zentralbank zu unterhalten. Es liegt kein „Instrument“ im eigentlichen Sinn vor, sondern eher eine ordnungspolitische Regel, da der Mindestreservesatz nicht allzu häufig geändert wird.



Auswirkungen

Eine restriktive Geldpolitik hat zur Folge:

Zinssatz ↑, Investitionen ↓, Konsum ↓, umlauf. Geldmenge ↓, BIP ↓


Probleme

Die zuvor beschriebenen Instrumente der Geldmengensteuerung sind sehr effektive Instrumente. Die Geldmenge kann damit jedoch nicht vollständig kontrolliert werden. Denn die Zentralbank steht zwei grundlegenden Problemen gegenüber, die sich aufgrund des zweistufigen Finanzsystems (Zentralbank und Geschäftsbanken) und der partiellen Reservehaltung ergeben. Das erste Problem liegt darin, dass die Zentralbank nicht diejenige Menge an Geld kontrollieren kann, die private Haushalte, als Einlagen im Bankensystem halten. Um dieses Problem besser darstellen zu können, soll angenommen werden, dass die Menschen das Vertrauen in das Bankensystem verlieren und sich dazu entschließen, einen Großteil ihrer Einlagen aufzulösen und stattdessen Bargeld zu halten. Im Bankensystem kann daraufhin weniger Geld geschöpft werden, so dass das Geldangebot zurückgeht, ohne dass die Zentralbank eingegriffen hat. Das zweite Problem besteht darin, dass die Zentralbank keine Kontrolle darüber hat, wie viele Kredite die Banken ausleihen. Damit dieses Problem ebenfalls gut geschildert werden kann, ist anzunehmen, dass die Banken eines Tages aufgrund einer verschlechterten Einschätzung der ökonomischen Situation vorsichtiger werden und somit weniger Kredite vergeben. Durch dieses passive Verhalten erhöhen sich automatisch die Reserven der Geschäftsbanken und es kommt hier ebenfalls zum Rückgang des umlaufenden Geldes. Die Geldmenge hängt also im partiellen Reservesystem zum Teil vom Verhalten der Einleger und Geschäftsbanken ab. Allerdings kann im Vorfeld durch ständiges prüfen der Einlagenentwicklung und Veränderung der Reserven das Verhalten der Einleger bzw. Geschäftsbanken ermittelt werden. So können rasch gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden, um die Geldmenge nahe am geplanten Volumen zu halten.


Literatur

Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank:Die Publikationen der DBB und EZB erläutern die geldpolitischen Instrumente und Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und analysieren darüber hinaus Probleme der Geldpolitik.

Mankiw: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre ISBN 3-7910-1458-7

Paul A. Samuelson & William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre, Dt. Übersetzung 15. Aufl. ISBN 3-8323-0414-2