Balassa-Samuelson-Effekt

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Als Balassa-Samuelson-Effekt (auch Samuelson-Balassa-Effekt) werden zwei wirtschaftstheoretische Begründungen zu Merkmalen von Entwicklungs- und Schwellenländern bezeichnet:

  1. Währungen von Entwicklungsländern sind tendenziell unterbewertet (Balassa-Effekt).
  2. Entwicklungsländer, die sich im Aufholprozess befinden, weisen höhere Inflationsraten auf als Industrieländer (Samuelson-Effekt).

Die beiden Effekte sind jeweils nach ihren Entdeckern (Béla Balassa und Paul Samuelson) benannt.

Balassa-Effekt

Ausgangspunkt von Balassas Überlegungen war die These, dass Entwicklungsländer bei handelbaren Gütern (Tradeables) eine niedrigere Arbeitsproduktivität aufweisen als Industrieländer. Aufgrund des weltweiten Wettbewerbs und der Gültigkeit der Kaufkraftparität unterscheiden sich jedoch die Preise für beide Güter nicht.

Weiterhin geht Balassa davon aus, dass bei nicht handelbaren Gütern und Dienstleistungen (Non-Tradeables) zwischen beiden Ländern keine Produktivitätsunterschiede bestehen (insbesondere bei sehr arbeitsintensiven Dienstleistungen sind kaum Produktivitätsunterschiede realisierbar; z.B. Friseur, Restaurant). Im Verhältnis zu Industrieländern sind Entwicklungsländer nach Ansicht Balassas also bei diesen nicht handelbaren Gütern gleichermaßen produktiv. (Bei niedrigeren Löhnen wird folglich billiger produziert)

Aufgrund seiner größeren ökonomischen Bedeutung ist nach Ansicht Balassas der Sektor der handelbaren Güter jedoch maßgeblicher für die Höhe der Löhne, die sich somit hauptsächlich nach Maßgabe der Produktivität der Arbeitskräfte im Sektor handelbarer Güter bestimmt und dann aufgrund der Arbeitsmobilität gleichermaßen für den Sektor nicht handelbarer Güter gilt.

Somit können Entwicklungsländer handelbare Güter also zu gleichen Preisen wie Industrieländer produzieren (aufgrund niedrigerer Löhne bei niedrigerer Produktivität). Allerdings sind nach Balassas Theorie die Preise für nicht-handelbare Güter in Entwicklungsländern niedriger (niedrigere Löhne bei gleicher Produktivität) - das heißt, das durchschnittliche Preisniveau der Entwicklungsländer liegt unterhalb dessen der Industrieländer.

Weil die der Kaufkraftparitätentheorie zugrundeliegenden Güterströme nur bei handelbaren Gütern zustandekommen, bleibt das niedrigere Preisniveau der Entwicklungsländer bestehen - ihre Währungen bleiben also unterbewertet.

Samuelson-Effekt

Samuelsons Überlegung fußt auf Balassas Annahme einer niedrigeren Arbeitsproduktivität der Entwicklungsländer im Sektor handelbarer Güter. Er geht daher davon aus, dass stark wachsende Schwellenländer vor allem im Tradeables-Sektor starke Produktivitätszuwächse verzeichnen. Dies führt (bei angenommener Grenzproduktivitätsentlohnung) zu höheren Lohnwachstumsraten.

Im Sektor handelbarer Güter dürften die Preise folglich kaum steigen, da die Lohnsteigerungen ja durch das Produktivitätswachstum ausgeglichen werden. Die höheren Löhne werden aber auch im Sektor nicht-handelbarer Güter gezahlt, da sonst alle Arbeitnehmer dieses Sektors in den handelbaren Sektor wechseln würden. Im Sektor nicht-handelbarer Güter herrscht jedoch kein vergleichbares Produktivitätswachstum, sodass die steigenden Kosten über Güter-Preissteigerungen kompensiert werden. Demnach ist eine insgesamt höhere Inflationsrate wahrscheinlich.

Bedeutung der Effekte

Beide Effekte lassen sich empirisch gut belegen und werden daher von den meisten Ökonomen als Fakt akzeptiert. Von größerer wirtschaftspolitischer Bedeutung dürfte der Samuelson-Effekt sein; er spielt heute insbesondere im Zusammenhang mit der Euro-Einführung in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) eine Rolle. Die MOEL können nach Samuelsons Definition als Entwicklungsländer im Aufholprozess bezeichnet werden, für die demnach tendenziell höhere Inflationsraten zu erwarten sind. Sollten die MOEL den Euro einführen, so brächte dies möglicherweise zwei Probleme mit sich:

Erstens müssten sie zunächst die Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrags erfüllen. Demnach darf die Inflationsrate maximal 1,5 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Inflationsrate der drei preisstabilsten Länder der Währungsunion liegen. Dies erscheint unter Berücksichtigung des Samuelson-Effekts sowohl schwierig als auch nicht unbedingt notwendig, da die höhere Inflation ja mit einem stärkeren Produktivitätswachstum einher geht. Verschiedene Ökonomen plädieren daher dafür, das entsprechende Konvergenzkriterium für die MOEL abzuschwächen. Zweitens brächte der Samuelson-Effekt möglicherweise Probleme für die einheitliche europäische Geldpolitik der EZB mit sich. Die EZB hat sich selbst das geldpolitische Ziel einer Inflation von "unter, aber nahe bei zwei Prozent" gesetzt. Der Inflationswert bezieht sich dabei auf die durchschnittliche Preissteigerung im gesamten Euroraum. Da nach einer Euro-Einführung in den MOEL aufgrund des Samuelson-Effekts eine Zunahme der durchschnittlichen Inflation im Euroraum möglich ist, könnte sich die EZB veranlasst sehen, eine restriktivere Geldpolitik durchzuführen, um ihre Ziele zu erreichen. Auch hier wird von manchen Ökonomen kritisiert, dass eine solche Vorgehensweise der EZB falsch wäre, da sich ja an der Inflation der bisherigen Euro-Länder nichts geändert hat und die höhere Inflation in den neuen Euro-Länder aufgrund des höheren Produktivitätswachstums als wenig bedenklich erscheint. Die Ökonomen argumentieren dabei, dass ohne eine Anpassung der geldpolitischen Zielsetzung aufgrund der restriktiven Geldpolitik eine Deflation in den westlichen Euro-Ländern wahrscheinlicher werde.

Geschichte

1964 wurde Balassa-Samuelson Effekt Modell durch beide Balassa Bela und Paul Samuelson entwickelt,unabhängig arbeitend. Es überrascht, dass beide dieser Wirtschaftswissenschafter ihre Modell separat und gleichzeitig durchgeführt haben ,weil die Umreißen der Erklärung fünfundzwanzig Jahre führer von Roy Forbes Harrod"in der Wirtschaftslehre der außenwirtschaftlichen Beziehungen" beschrieben worden .

Die Theorie

Balassa-Samuelson Effekt hängt von zwischen den Ländern und Unterschiede im Verwandten Produktivität von den handelbare und nicht-handelbare Sektoren ab.

Form des Effekts

[1]Wenn sich Produktivitätsteigerungen gegen andere Länder in dem Handelsektor konzentrieren wird sich der binnenländische Preis für nichthandelbare Waren erhöhen. Wenn typischen Produktivitätssteigerungen sich bei den handelbaren Waren konzentrieren wird sich hohe Produktivität letztlich mit dem RER(reale Verbrauchssteuer) ergänzen.

Wirtschaftliche Wachstumstheorien behaupten normalerweise, dass Produktivität steigt. Daher behauptet der Balassa-Samuelson-Effekt: Der handelbare Sektor hat eine höhere Produktivitätssteigerung als der nichthandelbare Sektor, was zu höheren relativen Preisen für nichthandelbare Produkte führt. Da die Preise von gehandelten Gütern konstant sind, sind die relativen Preise von nichthandelbaren Gütern höher und der CPI steigt mit der durchschnittlichen Produktivitätssteigerung.

Der Effekt im Detail

Eine typische Diskussion über dieses Argument (z.B. durch Paul Krugman) würde die folgenden Eigenschaften einschließen:

-Die Produktivität von Arbeitern variiert von Land zu Land. Dieses ist die entscheidende Quelle des Einkommendifferentials bzw. des Produktivitätswachstums.

-Bestimmte arbeitsintensive Jobs sind Produktivitätinnovationen weniger entgegenkommend als andere . So ist etwa ein in hohem Grade erfahrenes Zürich Burgerflipper produktiver als sein Moskau Gegenstück (im Burger/in der Stunde) Diese Jobs sind jedoch Dienstleistungen, die am Ort durchgeführt werden müssen.

- Örtlich festgelegte Produktivitätssektoren sind auch die, die nicht-transportfähige Waren produzieren (zum Beispiel Haarschnitte).

- Um die lokalen Lohnniveaus auszugleichen, müssen die Ingenieure von McDonalds in Zürich mehr verdienen als Moskauer Angestellte, obwohl die Burgerproduktionsrare pro Angestellten eine internationale Konstante ist.

-Das Verbraucherpreisindex wird von folgendermaßen gebildet:

+lokale Waren

+Tradables, die überall den gleichen Preis haben.

- Damit tradable Waren PPP(Kaufkraftparität) folgen(Real), wird die Verbrauchssteuer wird verdoppelt (per Preisgesetz) . Die Annahme, dass PPP nur für handelbare Waren zählt, ist prüfbar.

-Da die Geldwechselrate mit der Warenproduktivität von Handelswaren schwankt, sich die durchschnittliche Produktivität in geringerem Ausmaß verändert, ist das Produktivitätsgefälle (der realen Waren) kleiner als das Produktivitätsgefälle in den Geldbezeichnungen.

-Aus Produktivität wird Einkommen, also verändert sich das Realeinkommen geringfügiger, als das Geldeinkommen.

- Das Preisniveau ist in produktiveren Wirtschaftssystemen höher, da die Gedwechselrate des Realeinkommens höher liegt.

Rolle des Balassa-Samuelson-Effekts

Der Balassa Samuelson Effekt ist eine Erklärung für Änderungen der Preise zwischen handelbaren und nich-handelbaren Gütern.Wenn die Produktivität entwickelt sich in beiden Sektoren unterschiedlich,kommt es zu Änderungen der relativen Preise.D.h: Der handelbare Sektor hat eine höhere Produktivitätssteigerung als der nichthandelbare Sektor, was zu höheren relativen Preisen für nichthandelbare Produkte führt. Mit der durchschnittlichen Produktivitätssteigerung sind die relativen Preisen von nicht_handelbaren Gütern höher ,wenn die Preise von gehandelten Gütern konstant sind.

Der Balassa-Samuelson-Effekt in Zentraleuropa

Diese Arbeit möchte die unterschiedlichen Inflationsraten von sechs verschiedenen zentraleuropäischen Volkswirtschaften aufzeigen und analysieren.[2] Diese sind die Volkswirtschaften von Kroatien, der Tschechischen Republik, Ungarns, Polens, der Slowakei und Slowenien. Der Umfang an handelbaren und nichthandelbaren Sektoren ist umfangreicher und detaillierter als in vorangegangenen Studien und die Datenmenge ist um einiges größer (vierteljährliche Datenerhebnung in einem Zeitraum von 10 Jahren). Die wesentliche Schlussfolgerung ist folgende:
durchschnittliches Produktivitätswachstum pro Jahr
Produktivitätsunterschiede erklären nur einen Unterschied zwischen 0,2 und 2 Prozentpunkte der jährlichen Inflationsunterschiede in der Euroregion. Außerdem erklären sie nur einen kleinen Anteil der binnenländischen Inflation in den zentraleuropäischen Volkswirtschaften. Frühere Studien, die den Balassa-Samuelson-Effekt as bedeutender eingeschätzt haben, haben oftmals den Einfluss der Produktivitätsunterschiede auf die Inflation zwischen den Euro-Staaten missachtet und sich statt dessen einzig auf die binnenländische Inflation bezogen. Viele Studien haben zudem das relativ hohe Produktivitätswachstum der nichthandelbaren Industrie außen vor gelassen. Die Finanzanschläge dieser Arbeit suggerieren, dass Unterschiede des Produktivitätswachstums zwischen EU-Beitritten und des Euroraums sich vermutlich nicht so stark ausweiten werden, dass sie ein wesentlicher Faktor für die Fähigkeit dieser Länder zur Erfüllung der Maastricht-Kriterien werden.

Balassa Samuelson Hypothese

Ein Erklärungsansatz für strukturelle Unterscheiden in der Inflationsentwicklung zwischen einzelnen Ländern in einer Währungsunion wird daher dargestellt. Für die Inflationsraten gilt:[3]

1) \pi\,_N - \pi\,_T = \hat a_T - \hat a_N

  • \pi\, :Inflationsrate
  • \hat a als sektorale Inflationsraten bzw. Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität
  • T:handelbaren Gütern (Tradables)
  • N:nicht-handelbaren Gütern (Non-tradables)

Das gesamtwirtschaftliche Preisniveau für den in Veränderungsraten gilt:

2) \pi\, = \alpha\, * \pi\,_N + (1 - \alpha\,) * \hat a_T

\alpha\, als die konstant angenommenen Bruchteile der Konsumausgaben, die für N- bzw. T-Güter verwendet werden.

Aus 1) und 2) -> 3) \pi\, = \pi\,_T + \alpha\, * ( \hat a_T - \hat a_N )
Inflationsdifferenzen in Euroland

Wenn Inflationsrate von handelbarer Güter \pi\,_T konstant ist und Differenz des Produktivitätswachstum zwischen handelbare und nicht-handelbare Güter steigt ,dann es führt zu der Inflationsrate \pi\, höher.

Weitere Annahmen : Entsprechende Überlegungen für die ausländische Inflationsrate : \pi\,^*.

Inflationsdifferenz zwischen beide Sektoren von Inland und Ausland:

Gleichung: \pi\,^* - \pi\, = \pi\,^*_T - \pi\,_T + \alpha\, ( (\hat a^*_T - \hat a^*_N ) - ( \hat a_T - \hat a_N ) )

Inflationsdifferenz ist positiv oder \pi\,^* - \pi\, > 0 . Es gibt 2 Ursachen:

  • Der Preis von handelbare Güter im Ausland ist höher als im Inland
  • Der relative Preis von nicht-handelbare Güter im Ausland ist auch stärke als im Inland, weil Produktivitätswachstum von beide Sektor im Auland als Inland steigt.

Balassa Samuelson Effekt in der Zukunft

wenn Produktivitätswachstum dann rückläufig ist, kann die Auswirkung des Balassa-Samuelson Effekts eingeschränkt werden.

Der Markt der handelbaren Güter muss jedoch immer wettbewerbsfähiger sein als der der nicht-handelbaren, allein schon aufgrund seiner Größe. Auf dem Marktplatz der handelbaren Waren stehen alle Hersteller eines Artikels im Wettbewerb mit anderen Herstellern des Artikels. Hersteller nichthandelbarer Güter müssen sich nur gegen die lokale Konkurrenz durchsetzen. Wenn der Wettbewerb die Produktivität steigert, werden tauschbare Güter immer stärkere Wachstumsraten erzeugen als nichthandelbare, was wiederum bedeutet, dass der Balassa-Samuelson-Effekt bestand haben wird.

Literatur

  • Balassa-Samuelson-Effekt: De Grauwe, P. u. Skudelny, F.: Inflation and Productivity Differentials in EMU, Centrum voor Economische Studien Discussion Paper 15, 2000 / Dieckheuer, G.: Internationale Wirtschaftsbeziehungen, 5. Aufl., 2001, S. 543 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]. Theorie von Balassa Samuelson Effekt
  2. Working Papers
  3. Inflationsrate :uni-kassel.de
en:Balassa–Samuelson effect

es:Efecto Balassa-Samuelson fr:Effet Balassa-Samuelson hu:Balassa–Samuelson-hatás it:Effetto Balassa-Samuelson pl:Efekt Samuelsona-Balassy