Abwertung

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engl.: Depreciation

Eine Abwertung in der volkswirtschaftlichen Literatur wird definiert als ein Rückgang des Geldwertes eines Landes, relativ zum Geldwert eines Vergleichslandes.


Definition Allgemein

Durch die Abwertung der Inlandswährung werden die heimischen Exportgüter aus der Sicht des Auslandes billiger und die ausländischen Importgüter aus der Sicht des Inlandes teurer.


Beispiel

1 USD zu 0,78 Euro vor Abwertung des Euros
1 USD zu 0,80 Euro nach Abwertung des Euros


Deutscher Exporteur bietet seine Ware zu einem Preis von 78 € an, dann kostet sie aus der Sicht eines amerikanischen Importeurs nach der Abwertung des Euros statt 100 USD jetzt 97,50 USD.
=> Somit werden Exportwaren aus der Sicht des ausländischen Importeurs billiger.

Wäre diese Rechnung in Dollar fakturiert, dann könnte der deutsche Exporteur nach der Abwertung mehr Euros eintauschen als er kalkuliert hat.
=> Dadurch kann der deutsche Exporteur seine Exportpreise in Dollar senken

Deutscher Importeur kauft Ware zu einem Preis von 100 USD, wendet dafür 78 € auf. Nach einer Abwertung des Euros müsste er jedoch mehr Euros aufwenden um diese Rechnung zu begleichen.
=> Folglich werden Importwaren aus der Sicht des inländischen Importeurs teurer.

Eine in Euro fakturierte Rechnung würde für den deutschen Importeur keine Auswirkungen nach einer Abwertung des Dollars zufolge haben, jedoch für den ausländischen Exporteur, der jetzt zwar denselben Euro-Betrag erhält, wie bei Vertragsabschluss vereinbart, jedoch beim Umtausch dieses Betrages weniger Dollar erhält als er ursprünglich kalkuliert hatte.
=> Daher kann er seine Euro-Lieferpreise entsprechend anpassen.


Wirkung einer Abwertung

Inländer müssen für die gleiche Warenmenge mehr inländische Währung bezahlen, wodurch eine Senkung der Importmenge resultiert und einer Erhöhung der Nachfrage der Inländer nach inländischer Ware. Gleichzeitig müssen die ausländischen Exporteure weniger ihrer Währung aufwenden um die gleiche Warenmenge zu erhalten, was zu einem Anstieg der Exportmenge führt. Die Inlandsproduktion wird angekurbelt wodurch mehr Waren verkauft bzw. exportiert werden können, dadurch verbessert sich die Leistungsbilanz des Landes. Dies führt aber auch zu einer Verschlechterung der Terms of Trade, da mit dem Erlös einer konstanten Menge an Exportgütern nur noch eine kleine Menge an Importgütern bezahlt werden kann. Der daraus resultierende positive Effekt bildet den Anstieg der Beschäftigung im Inland wider.

"Der Preis für die beschäftigungsfördernden Effekte der Abwertung ist in einem Verstärken inflationärer Kräfte zu sehen, zunächst durch Erhöhung des importierten Kostendrucks bei preisunelastischen Gütern und möglicherweise im Zeitablauf durch Nachfragesog- und Geldmengeneffekte aufgrund steigender Exportnachfrage" [1].


Jedoch kann bei einer Abwertung nicht immer mit einer Leistungsbilanzverbessernde Wirkung gerechnet werden.

  • Abwertungen führen ohne Verzögerung zu einer Verteuerung der Importe, so dass diese nominal ansteigen. Damit der Importwert insgesamt sinkt, muss sie gütermäßig gedrosselt werden, dies hängt aber von der Elastizität der Importnachfrage ab.
  • Ob und wie intensiv diese auf die Verteuerung der Importgüter mit einem Nachfragerückgang reagiert, kann präzise nur für den Einzelfall bestimmt werden.
  • Dies gilt analog auch für die Exporte, diese werden nominal billiger wobei unbestimmt ist, ob und wie elastisch die Exportnachfrage mengenmäßig darauf reagiert.
  • Hinzu kommt kurzfristig noch der sogenannte J-Kurven Effekt, d.h. da die Rechnungen überwiegend in der Währung des jeweiligen Lieferlandes fakturiert werden, verteuern sich (in Euro ausgedrückt) die Importe bei gleichbleibenden Euro-Exporterlösen. Daraus resultiert eine Verschlechterung der Leistungsbilanz. Erst wenn die Preislisten angepasst werden und diese Preisänderung über die jeweiligen Import- und Exportelastizitäten zu Nachfragereaktionen führen, dann steigen die Exporte, sodass sich die Leistungsbilanz verbessert.


Begriffliche Einordnung

Der Begriff Abwertung bezieht sich immer auf Wechselkursänderungen in einem Regime fester Wechselkurse. Hier bestimmt die Währungsbehörde den Wert der Währung und verteidigt ihn gegebenenfalls durch Interventionen am Devisenmarkt. Somit sind diese Wechselkursänderungen wirtschaftspolitische Maßnahmen der Währungsbehörde, da sie die Währung auf- und abwerten kann.

Bei flexiblen Wechselkursen werden die Begriffe Währungsverbesserung bzw. Währungsverschlechterung angewendet. Hier folgen spontane Wechselkursänderungen als Reaktion auf die sich ständig verändernden Marktbedingungen. Ist z.B. am Frankfurter Devisenmarkt der Dollar-Wechselkurs von 0,78 Euro/USD auf 0,75 Euro/USD gefallen, dann sagt man, der Euro hat sich verbessert.

In der Literatur wird überwiegend nur die reale Abwertung thematisiert wie z.B. von Blanchard und Illing, Makroökonomie. Jedoch wird der Begriff Abwertung differenziert zwischen:

  • reale Abwertung der Inlandsgüter - Rückgang der Preise inländischer Güter relativ zu den Preisen ausländischer Güter, bei Mengennotierung: Rückgang des realen Wechselkurses
  • nominale Abwertung der inländischen Währung - Preis der inländischen Währung in Einheiten ausländischer Währung sinkt, bei Mengennotierung: Rückgang des Wechselkurses.


Einzelnachweise

  1. Jörn Altmann: Außenwirtschaft für Unternehmen, S. 209


Literaturverzeichnis

  • Burda/ Wyplos: Makroökonomik, Verlag Franz Vahlen, München, 1994
  • Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 3. Auflage, München, 2003
  • Jörn Altmann: Außenwirtschaft für Unternehmen, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart; Jena, 1993
  • Rüdiger Dornbuch, Stanley Fischer: Makroökonomik, 6. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 1995
  • Robert Gordon; Makroökonomik, 4. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 1989